Arbeitskreis Ortsheimatpflege Benniehausen

Hier entsteht eine "lebende" Ortschronik

Hof Wille  

Der Hof Wille in Benniehausen war früher als der Lockemannsche Hof bekannt. Der erste erwähnte Lockemann stammte aus Wennigsen am Deister und kam vor 1689 nach Benniehausen. Neben der uslarschen Mühle, heute Wohnhaus Wille, gehörte ihm auch ein hessischer Hof in der Mühlenstraße, heute Franke. Eine Sandsteinplatte mit der Inschrift Hans Lockemann 1698 ist heute noch erhalten.

Sein Sohn Barthold Lockemann übernahm den Hof mit Brennerei und war um 1740 hessischer Schulze in Benniehausen. Seine Schwester heiratete in die Obermühle in Rosdorf und bekam die uslarsche Mühle in Benniehausen. Nachdem die Obermühle in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, kaufte Barthold Lockemann die Benniehäuser Mühle von seinem Schwager zurück.

Hof und Brennerei übernahm sein Sohn Johann Ernst Lockemann. Ihm gehörten zwei hessische Höfe in Benniehausen, die Reihestellen Nr. 15 in der Mühlenstraße und die Nr. 20, neben der Mühle gelegen und heute Hoffläche Wille. Er ließ 1763 ein neues großes Haus in der Mühlenstraße bauen und seine Initialen sind heute noch über der Kellertür des Hauses Mühlenstraße 4 und über dem Brunnen oberhalb des Bienenhauses zu finden.

Sein Sohn Justus Lockemann betrieb neben der Brennerei eine Landwirtschaft von 150 Morgen Land. Er starb bereits mit 45 Jahren an Typhus und hinterließ 3 Töchter. Diese verkauften 1814 den für damalige Verhältnisse großen Lockemannschen Hof an 7 verschiedene Käufer. Die heutige Hofstelle Wille kaufte 1826 Christoph Bolle aus Mackenrode. Alte Benniehäuser kannten noch die Bezeichnung Bollens Hof.

Zur selben Zeit als Johann Ernst Lockeman den Hof mit Brennerei betrieb, hatte der jüngste Sohn von Barthold Lockemann, der Müller Johann Nicolaus Lockemann die uslarsche Mühle inne. Im Jahr 1755 baute er das heutige Wohnhaus der Familie Wille, um 1790 das Haus Nr.1 am Ortseingang von Benniehausen. Er war maßgeblich am Wiederaufbau der Benniehäuser Kirche beteiligt und wird als uslarscher Schultheiß in den Akten über den Benniehäuser Kindermord erwähnt. Sein Grabstein steht im Garten der ehemaligen Mühle.

Die Mühle übernahm sein Sohn Friedrich Lockemann, der 1832 die Sägemühle erbaute. Friedrich Lockemann konnte 20 Morgen Land aus dem ehemaligen Besitz von Justus Lockemann erwerben. Als er den Betrieb an seinen Sohn Ludwig übergab, gehörte ihm auch das Haus in der Mühlenstraße und er behielt es sich als Altenteilerhaus vor.

Stetig wurde nun die Landwirtschaft erweitert und 1857 gelang es seinem Sohn Ludwig Lockemann, die heutige Hofstelle Gelliehäuser Straße 1 mit 64 Morgen Land von Behrend in Roringen zu erwerben. Nach ca. 120 Jahren waren Mühle und Hof wieder zusammen.

Sein Sohn Adolf Lockemann wurde im Krieg 1870/71 schwer verletzt. Er kaufte 1872 einen weiteren Hof, den als Efeuburg bezeichneten Hof in der Mühlenstraße, heute Doris und Manfred Putz. Im Jahr 1886 heiratete er die älteste Tochter von Gottlieb Stunz, der bereits mit 45 Jahren verstorben war. Sie erbte den großen Hof an der Garte neben der Brücke, beide Höfe zusammen hatten jetzt eine Größe von 64 Hektar. Nach wirtschaftlich schlechten Jahren stand der Betrieb  im Dezember 1898 vor der Zwangsversteigerung. Die geborene Stunz ließ ihren Ehemann entmündigen und es gelang ihr unter größten Anstrengungen, den Betrieb zu erhalten. Im Dezember 1906 starb sie mit 46 Jahren an den Folgen eines Schweinebisses.

Der älteste Sohn Ernst Lockemann musste mit erst 18 Jahren den Hof übernehmen. Er wurde bald Bürgermeister in Benniehausen und später unter den Nationalsozialisten seiner Ämter enthoben. Im Jahr 1930 brannte der Hof bis auf das Wohnhaus ab. Die Gebäude wurden in ihrer jetzigen Form wieder aufgebaut und boten Platz für 40 Kühe. Ernst Lockemanns Interesse galt allerdings dem Sägewerk, das erst nach seinem Tod im Jahr 1957 geschlossen wurde. Die Stromerzeugung wurde noch weiter betrieben, allerdings saß man bei Hochwasser oft im Dunkeln. Das Staurecht wurde 1969 aufgegeben.

Der einzige Sohn von Frieda und Ernst Lockemann blieb in Stalingrad ebenso wie der Verlobte der ältesten Tochter Inge. Diese nahm sich 1948 das Leben. Die jüngste Tochter heiratete 1951 den Landwirt Alwin Wesche. Lieselotte und Alwin Wesche konnten 1971 das Hildebrandsche Land kaufen. Zu diesem Hof gehörten die Flächen der Wüstung Waltingerode, zwischen Benniehausen und Niedeck gelegen. Durch die Entdeckung der alten Siedlung (Wüstungen und Wölb-Äcker im Landfunk am 17.7.83) wurde Alwin Wesches Interesse für die Historie geweckt und er trug viele Informationen aus den Archiven zusammen.

Im Jahr 1975 heiratete die jüngste Tochter Katharina den Landwirt Ernst-Friedrich Wille aus Bremke. Nachdem bereits 1971 die Milchviehhaltung aufgegeben wurde, wurde nun die Schweinehaltung erweitert und 1983 ein neuer Schweinestall gebaut. Das Gut Vogelsang bei Bremke konnte nach anfänglicher Betriebsgemeinschaft im Jahr 2001 gepachtet werden. Heute werden auf 500 Hektar Ackerland Weizen, Gerste, Raps und etwas Rüben angebaut. Der Betrieb beschäftigt 2 Mitarbeiter und ist weitestgehend eigenmechanisiert, nur die Rübenernte und die Gülleausbringung werden durch Maschinengemeinschaften ausgeführt. Auf Gut Vogelsang und im sogenannten neuen Stall in Benniehausen werden weiterhin Mastschweine gehalten. Die 1930 erbauten Gebäude  sowie die alte Sägemühle hingegen  wurden in den letzten 10 Jahren weitgehend zu gewerblichen Zwecken umgebaut und werden von der Firma Aqua-Computer genutzt. Es ist schon eine gewisse Ironie, dass heute in der alten Wassermühle Wasserkühlungen für Computer  gebaut werden. Der Strom wird heute statt mit Wasserkraft auf dem Dach durch Sonnenenergie erzeugt.

(Text: Katharina Wille 03.2015)