Arbeitskreis Ortsheimatpflege Benniehausen

Hier entsteht eine "lebende" Ortschronik

Die drei Mühlen.

Ursprünglich existierten bis  in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts, drei  Mühlen in Benniehausen, was diesem Ort auch die Bezeichnung „Drei-Mühlen-Dorf“ einbrachte. Diese drei Mühlen sind auch wesentlicher Bestandteil des Dorfwappens. Zwei dieser Mühlen existieren heute nicht mehr bzw. sind bis zur Unkenntlichkeit baulich verändert, ihre Wehre sind restlos verschwunden. Die Dritte Mühle, die sogenannte Hessenmühle, ist die einzige der drei Mühlen Benniehausen`s, deren Gebäude  noch in ihrer ursprünglichen Form  weitgehend erhalten ist. Das Wehr aus großen Buntsandsteinblöcken war bis 1997 teilweise noch sichtbar.

Heute sind auch diese Wehrreste entfernt worden und es ist für den ungeübten Blick nicht mehr erkennbar, wo sich das Wehr einmal befand.

Abseits der Hauptstraße und abseits der Dorfstraße, hinter Gärten und Wiesen, fremden Blicken entzogen und nur Einheimischen vertraut, konnte diese kleine Wehranlage lange existieren. Unter mächtigen Uferbäumen  entstand eine kleine Nische für Flora und Fauna. Der älteren Generation war dieses Biotop als „Kolk“ bekannt. Die entstandene, teichartige Ausbuchtung war für die Einheimischen ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Dorfes. In den 50er und 60er Jahren wurde dieser Platz von den älteren Kindern als Badeanstalt genutzt. Dieser schöne Idyllische Fleck, um den sich Geschichte und Geschichten rankte, ist letztendlich auch der Aufräumwut der heutigen Landschaftsplanung zum Opfer gefallen.

Die drei Mühlen

1455 wurde bereits in Benniehausen eine von Uslarsche Mühle urkundlich erwähnt; vermutlich wurde diese Mühle im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erneuert.

Die Lockemannsche Mühle

1702 am 6. August heiratete Anna Elenore Lockemann, die Tochter von Hans Lockemann, den Müller aus der Oberen Mühle in Rosdorf Christian Schrader und erbte die Lockemannsche Mühle in Benniehausen. Als der Mühle in Rosdorf,  im Jahre 1731, die Zwangsversteigerung drohte, kauft ihr Bruder Barthold Lockemann die Mühle in Benniehausen zurück. Barthold Lockemann war mit einer Müllerstochter aus der Hessischen Mühle verheiratet, namens Hildebrandt.

1840:  In der einem Testament von 1840, war die Mühle als  eine Mahl – Oel – Schneide – und Grütze – Mühle beschrieben. Diese bemerkenswerte Kombination hatte einen enormen Vorteil, so konnte je nach Jahreszeit gemahlen oder Holz gesägt werden und garantierten dem Mühlenbetreiber ein gutes Auskommen. Die meisten Mühlen waren nicht Eigentum der Müller. Vor den Ablöseverträgen musste ein Pachtzins an den jeweiligen Lehnsherren gezahlt werden. Die Lockemannsche Mühle unterlag  bis zur Ablösung einem solchen Lehnsverhältnis und war damit den Herren von Uslar – Gleichen zinspflichtig.

Um eine Mühle zu treiben benötigte man ein Staurecht, was die Menge des angestauten Wassers regulierte, damit den tiefer gelegenen Mühlen nicht das Wasser abgegraben wurde. 1969 wurde das Staurecht der Lockemannschen Mühle endgültig aufgegeben.

Ursprünglich wurde im Wohnhaus des Lockemannschen Anwesens das Getreide zu Mehl vermahlen. 1832 wurde die Sägemühle gebaut, 1925 bauten die Lockemann`s ein liegendes Vorgelege in die Mühle um die Antriebstechnik der Säge zu verbessern.






Nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Grund des hohen Bauholz Bedarfs, wurde  in zwei Schichten gefahren und damit erlebte die Lockemannsche Mühle  eine neue Blütezeit. Der Mühlengraben und die Stauanlagen wurden in 1990er Jahren entfernt; die Sägemühle wird heute wieder als Betriebsgebäude genutzt.  

In den 1990 Jahren wurde das Wehr durch den Leineverband entfernt.

Die Hessische Mühle in Wittmarshof

Die Mühle in Wittmarshof  war eine Bann- oder Zwangsmühle, das heißt, dass alle hessischen Untertanen mit Pferdeanspannung (also ein Fuhrwerk) in dieser Mühle mahlen lassen mussten. Aufgrund dieses Vorteils konnte der Müller einen höheren Preis für seinen Dienst verlangen, das hatte wiederum einen hohen Pachtpreis zur Folge. Es gab immer wieder Rechtsstreitigkeiten, weil Untertanen versuchten, ihr Korn in anderen Mühlen mahlen zu lassen. Die erste Erwähnung einer Mühle auf den Gütern zu Wittmarshausen ist  bei Lücke „An den Ufern der Garte„ zu finden, die da lautet“

„Im Jahre 1383 verpfändete der Knappe Hermann von Uslar die Rente aus einem zur Mühle zu Wetmarshusen (Wittmarshausen) gehörigen Acker“.

Diese erste Erwähnung lässt darauf schließen, dass bereits  1383 eine Mühle existierte. Die wahrscheinlichsten Erbauer dieser Mühle sind demnach  wohl die Herren von Bodenhausen gewesen. Denn schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts  (nachweißlich 1318) war Wetmershusen Braunschweigisches Lehen der Herren von Bodenhausen.

1825: Nach der Aufhebung des Amtes Neuen Gleichen 1825 wurde aus dem Amtshof Wittmarshof  ein Vorwerk der Domäne Niedeck. Das vormalige hessische Amtshaus wurde 1870 abgebrochen. Die 1928 durch einen Neubau vergrößerte Wittmarshöfer Mühle brannte 1936 durch Brandstiftung ab. Geblieben ist nur das Mühlengebäude, was zu Werkswohnungen ausgebaut  wurde.  

Die Hessenmühle

Die Hessenmühle ist eine der ältesten Mühlen im Gartetal und eben diese Mühle ist heute noch weitgehend erhalten, leider ist die Wehranlage verloren gegangen. Die heutigen Anwohner wissen genau, wo die alte Wehranlage war und kennen immer noch die alten Geschichten.

Über der hessischen Mühle findet sich in der Beschreibung des Mengedorfs Benniehausen des Amtes Neuen Gleichen im Jahr 1744 folgendes:

1 Mahlwerk und einen Schlaggang

„so unterschlächtig und 1 Rad habend“ so heißt es in dem Bericht.

„alle 24 Stunden kann darin ½ Malter (Altes Maß für Getreide, ein Volumenmaß, je nach Region wurde das gültige Volumen bestimmt, 1 Malter = 16 Metzen) gemahlen oder geschrotet werden".

In dieser Mühle wurde nicht immer gemahlen, da auf der Hannoverschen Seite ebenfalls eine Mühle stand. Der Müller hat nur ein karges Auskommen. Von jedem Malter Frucht gab es die 24te Metze als Lohn. Um diesen schlechten Lohn ein bisschen aufzubessern, hat so mancher Müller den Mahlstaub und das verbliebene Rest Mehl an sich genommen und ein Schwein damit gemästet. Dieser Berufsstand hatte zu dieser Zeit kein hohes Ansehen. Der Sohn eines Müllers konnte in keinen anderen Handwerksberuf abwandern, er wurde auch Müller. Ein weiteres Zubrot verdienten sich die Müller, indem Sie die Jagdhunde ihrer Lehnsherren gefüttert haben. Die Beschreibung der Mühle lässt auf keinen guten Zustand schließen, so heißt es in einem Bericht „Die Mühle mit einem Mehl - und Schlaggang, ist verfallen und nicht mehr zu gebrauchen“.

In einer Amtsrechnung von Neuen Gleichen ist 1731 ein Mühlen Zins erhoben worden, in Höhe von 1 Thaler und 2 Groschen, zu zahlen von dem Müller Christoph Kerl zu Benniehausen an den Lehnsherren. In den zu Grunde liegenden Unterlagen ist nicht erkennbar, wie die genauen Eigentums- bzw. Besitzverhältnisse zu der Zeit tatsächlich waren. Es ist daher davon auszugehen das die Hessenmühle vor den Ablöseverträgen von ca. 1836,  nicht das Eigentum der Mühlenbetreiber war.

um 1700: Betrieb die „Untere Mühle“, die Hessen Mühle, ein Müller mit dem Namen Nikolaus Hildebrandt. Diese Familie Hildebrandt stiftete 1797 das heute noch benutzte Taufbecken der Kirche von Benniehausen.

um 1825: Betrieb die Mühle Friedrich Lockemann.

1837: Gottlieb Lockemann aus Wittmarshof, verkauft die „Untere Mühle“ in Benniehausen an Heinrich Wedemeyer aus Bremke und dessen Ehefrau Wilhelmine geb. Wedekind.

(Quellen : Alwin Wesche, Lücke „An den Ufern der Garte“. Text : Heike Sauerland, Kathrin Wille 03.2015)